Buchtipp

   

    

 

 

„Der Fall  Collini“, TB 208 Seiten, erschienen 2011 im btb Verlag München, 2014 vom WDR als Hörspiel herausgebracht.

 

Der Autor, Ferdinand von Schirach, geb. 1964, ist ein Enkel des NS Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Er lebt in Berlin und gilt als Prominentenanwalt für Strafrecht. Erst mit 45 Jahren kam er zum Schreiben. Heute ist er einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller und Dramatiker der Gegenwart.

 

Der junge Anwalt Caspar Leinen hat eben erst seine Kanzlei eröffnet, als ihm im Notdienst die Verteidigung eines Mörders angetragen wird. Das Opfer ist Hans Meyer, ein alter Mann, bei dem neben mehreren Schusswunden auch noch andere Verletzungen zu erkennen sind. Kurze Zeit später erfährt er, dass der Ermordete der Großvater seines verstorbenen besten Freundes ist, in dessen Haus er einen Großteil seiner Jugend verbracht hat. Der alte Herr war ihm stets ein väterlicher Freund. Soll, ja muss er das Mandat aus Befangenheit niederlegen?

 

Da der italienisch-stämmige Täter Fabrizio Collini den Mord gesteht, aber selbst zu keiner Aussage bereit ist, will Leinen das Motiv für dieses Verbrechen erkunden. Seine Ermittlungen führen ihn in die Jahre 1943 - 45, in denen die deutsche Wehrmacht u.a. in Italien kämpfte. Hitler hatte 1941 befohlen, für einen toten Soldaten 100 Zivilisten zu erschießen. Damals verlor Collini als Kind Familie und Zuhause. Befehlshaber war SS-Sturmbannführer Meyer, der u. a.  die Hinrichtung seines Vaters veranlasste.

 

Mit welchen juristischen Regeln werden Kriegsvorfälle dieser Art bewertet? Wir erfahren, dass der ehemalige Staatsanwalt Dr. Dreher, obwohl er im Dritten Reich am Sondergericht Innsbruck tätig war, 1951 in der Bundesrepublik ins Bundesjustizministerium berufen wurde. 1968 erwirkte er durch Erlass eines unbeachteten Gesetzes, dass alle Kriegsverbrechen aus der Zeit des 3. Reiches ab 1960 verjährt waren. Somit wurden auch die Ermittlungen zur Strafanzeige Collinis 1969 eingestellt.

 

Ein konfliktgeladener Roman, der einen Teil deutscher Geschichte der NS Zeit verarbeitet und dazu geführt hat, dass die Bundesjustizministerin im Jahr 2012 eine Kommission mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Bundesministerium der Justiz beauftragt hat.

 

 Rosemarie Bentner - Dr. Angela Strempel-Walther

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